Archiv der Kategorie ‘Allgemein‘

 
 

MittwochsFilm zum Weltaidstag | Rettet das Feuer

Mittwoch, 04.12.2019, 20 h
Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße
Eintritt frei

D 2019, 82 Min., Regie: Jasco Viefhues, mit Aron Neubert, Michael Brynntrup, Melitta Poppe, Mignon, Renate, Paula, Sau, Ulf, Axel Wippermann

Berlin, 1993. Der Fotograf und Künstler Jürgen Baldiga kämpft gegen das HI-Virus. In den neunziger Jahren erreicht die Aids-Epidemie ihren Höhepunkt, auf den Niemand vorbereitet ist. Die infizierten Körper und ihre Geschichten verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Den Tod der Freunde, und den eigenen vor Augen wird Baldiga zum Chronisten seiner Zeit. „Ich mache ein Foto. Ich fotografiere die Welt. Ich existiere.“ Ohne die Erinnerung, verschwinden Identität und Geschichte. Bis zum letzten Tag arbeitet Jürgen Baldiga an der Dokumentation eines Exodus, der auch ihn erfasst. Der Dokumentarfilm Rettet des Feuer richtet den Blick auf ein Stück Westberliner Geschichte und die Stimmen des kollektiven Gedächtnis‘.

MittwochsFilm im November Giant Little Ones

Mittwoch, 06.11.2019, 20 h
Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße
Eintritt frei

Kanada 2018, 93 Min., OmU,  Regie: Keith Behrman, mit Josh Wiggins, Darren Mann, Taylor Hickson, , Maria Bello, Kyle MacLachlan, u.a.

Freundschaft, Erwachsenwerden und Chaos der Gefühle: ein wirklich außergewöhnlicher Coming-of-Age-Film.

Franky und Ballas sind seit Ewigkeiten beste Freunde. Die Stars des Schwimm-Teams sind beliebt in der Highschool und begehrt bei den Mädchen. Doch als sich die beiden im betrunkenen Zustand sexuell näherkommen, ist plötzlich alles anders: Ballas will mit Franky nichts mehr zu tun haben und die Gerüchteküche in der Schule brodelt. Franky erlebt Mobbing und Gewalt, aber auch eine neue Nähe zu seinem Vater, der selbst seit einigen Jahren schwul lebt. Allmählich wird dem Teenager klar, wer er sein möchte.

Der kanadische Regisseur Keith Behrman packt die Wirrungen des (queeren) Heranwachsens in einen mitreißenden Soundtrack und furios choreografierte, leuchtende Bilder. Neben den Newcomern Josh Wiggins und Darren Mann glänzen die Schauspielstars Kyle MacLachlan und Maria Bello in den Nebenrollen.

MittwochsFilm im Juli | Jonas – Vergiss mich nicht!

Donnerstag, 03.07.2019, 20 h
Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße
Eintritt frei

F 2018, 82 Min., Regie: Christophe Charrier, mit Félix Maritaud, Nicolas Bauwens, Tommy-Lee Baïk, Aure Atika, Marie Denarnaud u.a

Ein Intensives schwules Coming-of-Age-Drama. Der 33-jährige Krankenpfleger Jonas ist ein rauer Bursche: cool absolviert er seinen Job, treibt von Sexdate zu Sexdate, lässt sich nichts gefallen und riskiert dafür schon mal eine Schlägerei. Als sein Freund ihn nach einer weiteren nächtlichen Eskapade aus der Wohnung wirft, fährt Jonas ziellos mit seinem Motorrad umher. Innerlich weiß er, was ihn zur dieser unnahbaren Person, die er heute ist, gemacht hat: Eine enttäuschte Jugendliebe in Verbindung mit einem schrecklichen Geheimnis. Jonas muss sich seinen Dämonen stellen und macht sich auf die Suche nach seinem Jugendfreund Nathan, seiner ersten großen Liebe.

Schwule Emanzipation und ihre Konflikte

Dissertationsvorstellung von Patrik Henze (Patsy L‘Amour laLove)

Donnerstag, 27.06., 18 h ct, Universität Bielefeld, UHG, Hörsaal 10

Ab 1971 gründeten sich die ersten schwulen Aktionsgruppen in der Bundesrepublik. Ihr Ziel: Schwule Emanzipation – und die Befreiung aller vom Kapitalismus. Die regelmäßig aufflammenden Debatten und Streits über den richtigen Weg, die Betonung von Theorie oder Aktivismus, zogen Abspaltungen ebenso nach sich wie sie tiefgehende Beschäftigungen mit Sexualität, Schwulsein und Gesellschaft antrieben.

Nach Vortrag und Diskussion möchten das SchwuR der Uni , das Schwulenreferat der FH und die Aidshilfe mit euch den Abschluss der CSD-Kulturwochen und das 50-jährige Stonewall-Jubiläum mit Sekt und Schnittchen feiern. Denn in der Nacht vom 27. auf den 28.06.1969 starteten in der New Yorker Christopher Street die Stonewall Riots.

Martin Dannecker – Fortwährende Eingriffe

Buchvorstellung

Mittwoch, 12.06.2019, 18.00 Uhr, Unihauptgebäude, Hörsaal 10


Die Schwulenbewegung der 1970er Jahre kämpfte für die Befreiung der Sexualität. Mit dem Auftreten von HIV und Aids geriet sie jedoch in die Defensive. Der »Lebensstil der Homosexuellen« wurde durch Medien, eine moralinsaure Gesundheitspolitik und warnende Stimmen aus der Bewegung selbst für die Verbreitung der tödlichen »Schwulenseuche« verantwortlich gemacht. Martin Dannecker hat im Laufe der Debatten die dramatischen Einschnitte in die sexuelle Freiheit immer wieder analysiert, dabei an seinem sexualitätsbejahenden und emanzipatorischen Standpunkt festgehalten und gegen den Trend moralisch argumentierender und restriktiver Präventionsstrategien Stellung bezogen. Danneckers Texte zeigen, wie es gelingen kann, sich dem Druck der »Normalisierung« zu widersetzen und die Freiräume der Subjekte zu verteidigen.

Martin Dannecker, geboren 1942, gehört zu den Pionieren der Schwulenbewegung. Er war an Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers …“ (1971) beteiligt; seine mit Reimut Reiche durchgeführte Studie „Der gewöhnliche Homosexuelle“ (1974) veränderte die öffentliche Wahrnehmung schwuler Männer. Dannecker lehrte von 1991 bis 2005 als außerordentlicher Professor am Institut für Sexualwissenschaft des Klinikums der Universität Frankfurt / M. und publizierte zahlreiche Aufsätze und Bücher. Er lebt seit einigen Jahren in Berlin. Zuletzt erschien sein Buch „Faszinosum Sexualität. Theoretische, empirische und sexualpolitische Beiträge“ (2017).

Monument of Pride – A documentary on the pink revolution in the Netherlands

Am 05.

Donnerstag, 06.06.2019, 20 h
Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,

StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße
Eintritt frei

NL 2017, Dauer: 83 Min.
Regie: Sebastiaan Kes

September 1987 wurde im westlichen Zentrum Amsterdams das Homomonument eingeweiht. Es war das weltweit erste Mahnmal für die lesbischen und schwulen Opfer der Nazi-Zeit und des zweiten Weltkriegs. Das Homomonument befindet sich direkt neben dem Anne-Frank-Haus und der historischen Westerkerk an der Keizergracht. Initiiert wurde es vom PSP-Politiker Bob van Schijndel und gestaltet von Karin Daan. Jedes Jahr finden dort Feierlichkeiten zum Befreiungstag am 05. Mai statt. Die Niederlande gelten als eines der LSBT-freundlichsten Ländern der Welt. Doch das war es nicht immer. Die Geschichte von Homosexualität in den Niederlanden war sehr wechselhaft. Aber wie verlief die Geschichte von Sodomie-Prozessen mit Todesstrafe ab 1730 über Napoleons Code pénal, der Einführung des Nazi-Paragraphen 175 in den Niederlanden bis hin zur Homoehe als weltweit erstes Land? Und sind die Holländer überhaupt so tolerant, wie sie vorgeben?

Monument of Pride dokumentiert das Homomonument und die Geschichte von Homosexualität in NRWs Nachbarland. Dabei berührt der Film auch deutsche Einflüsse wie Hirschfeld und die Nazis. Historische Dokumente und Archivmaterialien stehen neben aktuellen Aufnahmen. Denn gleichzeitig porträtiert der Filmemacher Sebastiaan Kes in seiner zweiten Doku einige queere Aktivisten und Zugezogene. So etwa die transsexuelle Amsterdam-Pride-Botschafterin Ana Paula aus Brasilien, die seit 14 Jahren in Holland lebt, sowie den schwulen syrischen Flüchtling Shevan, der in Damaskus im Gefängnis saß. Somit zollt der Film den ersten 30 Jahre des Homomonuments in Amsterdam wie auch denjenigen, die für diese Freiheiten gekämpft haben, seinen Tribut.

mittwochsFilm am Donnerstag – Lola und Bilidikit

Donnerstag, 02.05.2019, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,

StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße

Eintritt frei

D 1999, 97 Min., Regie: Kutluğ Ataman, mit Gandi Mukli, Erdal Yıldız, Baki Davrak, Inge Keller, Michael Gerber

Murak ist 17. Er ist Türke, er ist Berliner, er ist schwul. Und hungrig nach dem Leben. Murak genießt die freizügige Atmosphäre der türkischen Transvestitenbars und wagt sich immer öfter an die Orte des Tabus.

Als er seine geheimen Wünsche umsetzen will, stößt er auf den Widerstand seines Bruders – und in Gestalt von Lola auf die furchtbare Geschichte seiner Familie.

Eine tragische wie hoffnungsvolle Geschichte aus deutsch-türkischem Untergrund und schwuler Subkultur über die Kraft des Einzelnen, Grenzen zu überschreiten.

mittwochsFilm im April | Mario

Mittwoch, 03.04.2019, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,

StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße

in Zusammenarbeit mit DSC Arminia Bielefeld GmbH, Sportbund Bielefeld, Gleichstellungsstelle LSBTI*, Fanprojekt Bielefeld e.V., Netzwerk BI Queer e.V.

Eintritt frei

CH 2018, 119 Min., Regie: Marcel Gisler, mit Max Hubacher, Aaron Altaras, Jessy Moravec, Jürg Plüss, Doro Müggler, Andreas Matti

Mario ist zum ersten Mal im Leben verliebt, so richtig verknallt. In Leon, den Neuen aus Deutschland. Der spielt zwar auch vorne im Sturm und könnte ihm sogar gefährlich werden, wenn es darum geht, wer in die Erste Mannschaft aufsteigen kann. Doch daran mag Mario jetzt nicht denken. Er will Leon spüren, riechen, in seiner Nähe sein. Das bleibt auch anderen im Klub nicht verborgen und schon bald machen erste Gerüchte die Runde. Mario sieht seine Karriere als Profi-Fußballer in Gefahr, will aber gleichzeitig Leon um keinen Preis verlieren. Er muss eine Entscheidung treffen.

mittwochsFilm am Donnerstag | Februar | Rafiki

Donnerstag, 07.02.2019, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,

StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße

Eintritt frei

Kenia 2018, 83 Min., OmU, Regie: Wanuri Kahiu

„Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen“ – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. So wird auch ihre alleinerziehende Mutter dafür verantwortlich gemacht, dass ihr Mann sie für eine jüngere Frau verlassen hat. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie es zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück.

RAFIKI – der Titel bedeutet auf Suaheli „Freund(in)“ – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Basierend auf der preisgekrönten Kurzgeschichte „Jambula Tree“ (2008) der ugandischen Autorin Monica Arac de Nyeko, erzählt RAFIKI von einer afrikanischen Jugend, die entschlossen gegen Homophobie, religiöse Dogmen und die Strenge der Eltern aufbegehrt. Ein mitreißender Film, der vor Freiheitsliebe und Lebensfreude in strahlenden Farben leuchtet.

Vortrag: Kann Begehren diskriminierend sein?

Patsy L‘Amour laLove

Freitag, 25.01.2019, 20 h
Potemkin, Heeper Str. 28, 33602 Bielefeld

Sexuelle Zurückweisungen veranlassen regelmäßig dazu, diese als eine gesellschaftlich verankerte Ableh­nung statt als „nur“ subjektiv erlebte Kränkung zu be­werten. Hinweise wie „Keine Tunten, keine Dicken, keine Asiaten!“ haben in schwulen Dating-Portalen an Häufigkeit kaum verloren – und werden als diskrimi­nierend bezeichnet. Die Dating-App „Grindr“ geht mitt­lerweile gegen solche (im englischen) als „sexueller Rassismus“ bezeichneten Auslassungen vor.

In der Empörung darüber äußert sich häufig ein Miss­verständnis, welchem im Vortrag nachgegangen wer­den soll: Begehren oder Sexualität werden mit stigma­tisierenden, herablassenden Aussagen gleichgesetzt, deren Heftigkeit darauf hinweist, dass darin nicht bloß eine sexuelle Präferenz Ausdruck findet. Damit stellt sich die Frage nach den Begriffen, mit welchen ope­riert wird: Was bspw. versteht man unter Rassismus, wenn man Begehren als „rassistisch“ fasst und inwie­fern bagatellisiert diese Vorstellung? 

Reflexionsanstöße zu sexuellen Verkehrsformen, ob unter Schwulen oder andernorts, stehen einem schar­fen Moralisieren gegenüber, das zu oft mit Reflexion verwechselt wird. Der Vortrag widmet sich dieser Ver­wirrung und den damit transportierten Vorstellungen von sexueller Befreiung, die mitunter zur Forderung nach sexueller Umorientierung werden: So als wäre es gerechter, wenn alle mit allen ins Bett wollen wür­den. Sexuelles Begehren, sexuelle Vorlieben und die Objektwahl müssen dann fluide erscheinen, um nicht dem Vorwurf der sexuellen Diskriminierung ausge­setzt zu sein. Stattdessen wird es darum gehen, was Freiheit im Zusammenhang von Begehren bedeuten kann und inwiefern Sexualität überhaupt den Anforde­rungen derer standhalten kann, welchen sie zu un­bändig und zu eingeschränkt zugleich erscheint.

Patsy l’Amour laLove, Polittunte und Geschlechter­forscherin, Promotion zur westdeutschen Schwulen­bewegung der 1970er Jahre, Kuratorin der Ausstel­lung „Faszination Sex“ über Martin Dannecker (2017-2018), Herausgeberin der sexualpolitischen Sammel­bände „Selbsthass & Emanzipation“ (2016) und „Beiß­reflexe“ (2017) im Querverlag, Organisatorin kulturel­ler und wissenschaftlicher Veranstaltungen wie ihrem Neuköllner Salon „Ludwig l’Amour“.


SchwuR