Monatsarchiv für Juni 2019

 
 

Schwule Emanzipation und ihre Konflikte

Dissertationsvorstellung von Patrik Henze (Patsy L‘Amour laLove)

Donnerstag, 27.06., 18 h ct, Universität Bielefeld, UHG, Hörsaal 10

Ab 1971 gründeten sich die ersten schwulen Aktionsgruppen in der Bundesrepublik. Ihr Ziel: Schwule Emanzipation – und die Befreiung aller vom Kapitalismus. Die regelmäßig aufflammenden Debatten und Streits über den richtigen Weg, die Betonung von Theorie oder Aktivismus, zogen Abspaltungen ebenso nach sich wie sie tiefgehende Beschäftigungen mit Sexualität, Schwulsein und Gesellschaft antrieben.

Nach Vortrag und Diskussion möchten das SchwuR der Uni , das Schwulenreferat der FH und die Aidshilfe mit euch den Abschluss der CSD-Kulturwochen und das 50-jährige Stonewall-Jubiläum mit Sekt und Schnittchen feiern. Denn in der Nacht vom 27. auf den 28.06.1969 starteten in der New Yorker Christopher Street die Stonewall Riots.

Martin Dannecker – Fortwährende Eingriffe

Buchvorstellung

Mittwoch, 12.06.2019, 18.00 Uhr, Unihauptgebäude, Hörsaal 10


Die Schwulenbewegung der 1970er Jahre kämpfte für die Befreiung der Sexualität. Mit dem Auftreten von HIV und Aids geriet sie jedoch in die Defensive. Der »Lebensstil der Homosexuellen« wurde durch Medien, eine moralinsaure Gesundheitspolitik und warnende Stimmen aus der Bewegung selbst für die Verbreitung der tödlichen »Schwulenseuche« verantwortlich gemacht. Martin Dannecker hat im Laufe der Debatten die dramatischen Einschnitte in die sexuelle Freiheit immer wieder analysiert, dabei an seinem sexualitätsbejahenden und emanzipatorischen Standpunkt festgehalten und gegen den Trend moralisch argumentierender und restriktiver Präventionsstrategien Stellung bezogen. Danneckers Texte zeigen, wie es gelingen kann, sich dem Druck der »Normalisierung« zu widersetzen und die Freiräume der Subjekte zu verteidigen.

Martin Dannecker, geboren 1942, gehört zu den Pionieren der Schwulenbewegung. Er war an Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers …“ (1971) beteiligt; seine mit Reimut Reiche durchgeführte Studie „Der gewöhnliche Homosexuelle“ (1974) veränderte die öffentliche Wahrnehmung schwuler Männer. Dannecker lehrte von 1991 bis 2005 als außerordentlicher Professor am Institut für Sexualwissenschaft des Klinikums der Universität Frankfurt / M. und publizierte zahlreiche Aufsätze und Bücher. Er lebt seit einigen Jahren in Berlin. Zuletzt erschien sein Buch „Faszinosum Sexualität. Theoretische, empirische und sexualpolitische Beiträge“ (2017).

Monument of Pride – A documentary on the pink revolution in the Netherlands

Am 05.

Donnerstag, 06.06.2019, 20 h
Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,

StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße
Eintritt frei

NL 2017, Dauer: 83 Min.
Regie: Sebastiaan Kes

September 1987 wurde im westlichen Zentrum Amsterdams das Homomonument eingeweiht. Es war das weltweit erste Mahnmal für die lesbischen und schwulen Opfer der Nazi-Zeit und des zweiten Weltkriegs. Das Homomonument befindet sich direkt neben dem Anne-Frank-Haus und der historischen Westerkerk an der Keizergracht. Initiiert wurde es vom PSP-Politiker Bob van Schijndel und gestaltet von Karin Daan. Jedes Jahr finden dort Feierlichkeiten zum Befreiungstag am 05. Mai statt. Die Niederlande gelten als eines der LSBT-freundlichsten Ländern der Welt. Doch das war es nicht immer. Die Geschichte von Homosexualität in den Niederlanden war sehr wechselhaft. Aber wie verlief die Geschichte von Sodomie-Prozessen mit Todesstrafe ab 1730 über Napoleons Code pénal, der Einführung des Nazi-Paragraphen 175 in den Niederlanden bis hin zur Homoehe als weltweit erstes Land? Und sind die Holländer überhaupt so tolerant, wie sie vorgeben?

Monument of Pride dokumentiert das Homomonument und die Geschichte von Homosexualität in NRWs Nachbarland. Dabei berührt der Film auch deutsche Einflüsse wie Hirschfeld und die Nazis. Historische Dokumente und Archivmaterialien stehen neben aktuellen Aufnahmen. Denn gleichzeitig porträtiert der Filmemacher Sebastiaan Kes in seiner zweiten Doku einige queere Aktivisten und Zugezogene. So etwa die transsexuelle Amsterdam-Pride-Botschafterin Ana Paula aus Brasilien, die seit 14 Jahren in Holland lebt, sowie den schwulen syrischen Flüchtling Shevan, der in Damaskus im Gefängnis saß. Somit zollt der Film den ersten 30 Jahre des Homomonuments in Amsterdam wie auch denjenigen, die für diese Freiheiten gekämpft haben, seinen Tribut.


SchwuR