Rolf Erdorf liest aus der „Adrian Mayfield“-Trilogie von Floortje Zwigtman

Mittwoch, 25. Januar 2017, 18.00 h
Stadtbibliothek Bielefeld, Neumarkt 1, 33602 Bielefeld
StadtBahn Hauptbahnhof, Jahnplatz
Eintritt frei

In ihrem eindrucksvollen Jugendroman „Ich, Adrian Mayfield“ verknüpft Floortje Zwigtman Charles Dickens mit Oscar Wilde – als fiktive Memoiren eines viktorianischen Callboys. (FAZ)

Welche Perspektiven hat ein 16-Jähriger von der Londoner East Side des Jahres 1894, der die hoch verschuldete Kneipe seines alkoholkranken Vaters unter den Hammer kommen sah und jetzt in einem zweitklassigen Herrenmodegeschäft in Soho als Verkäufer arbeiten muss, was ihn jeden Morgen beim Aufwachen dieses miese o… hell!-Gefühl besorgt? Ist es nur der furchtbare Job, der ihn abhauen und ausgerechnet bei diesem dicken Kunden Zuflucht suchen lässt, der ihn einmal in der Umkleidekabine unsittlich betasten wollte?

Es dauert eine Weile, bis sich Adrian eingesteht, dass es nicht nur die finanzielle Not ist, weswegen er die Seiten gewechselt hat. Statt zu den „gesunden engli­schen Arbeiterjungs“ gehört er jetzt zu denen, die sie früher gemeinsam verprü­gelt haben: den Puppenjungen. Denn gibt es für jemanden, der so empfindet wie er, überhaupt eine andere Möglichkeit als wohlhabende ältere Herren? Und was ist dort zu finden? Nur schnelles Geld für schnelle Lust, oder doch die große Liebe? Aber wie soll eine Liebe, die es gar nicht geben darf, groß werden? Wenn sogar ein Großer wie Oscar Wilde deswegen ins Zuchthaus muss und Adrians nob­ler und reicher Freund Vincent es daraufhin so sehr mit der Angst zu tun be­kommt, dass er sich in medizinische Behandlung begibt?

Zwischen Prostitution und pädagogischem Eros, zwischen sündiger Triebhaftigkeit und platonischer Entsagung muss sich Adrian seinen Weg suchen – gegen alle bö­sen Zuschreibungen nicht nur der viktorianischen Zeit, die für einen unglücklich Veranlagten wie ihn eigentlich nur ein Ende vorsehen: den frühen Tod.

Floortje Zwigtman, geb. 1974, gilt als eine der herausragendsten und eigenwilligsten jungen Stimmen der niederländischen Jugendliteratur. All ihre Bücher waren nicht nur Presse-, sondern auch Verkaufserfolge, wurden mehrfach ausgezeichnet und kontrovers diskutiert. Sie lebt und arbeitet in Südholland als freie Schriftstellerin und Lektorin.
Rolf Erdorf, 1956 in der Eifel geboren, hat u.a. Germanistik und niederländische Philologie studiert. Heute lebt er in Bad Oldesloe und arbeitet hauptberuflich als Übersetzer aus dem Niederländischen. Für seine Arbeit in der Kinder- und Jugend­literatur wurde er 2005 mit dem renommierten niederländischen Martinus-Nijhoff-Preis des Prins-Bernard-Kultuurfonds ausgezeichnet.

mittwochsFilm im Dezember | Kater

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Mittwoch, 07.12.16, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,

StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.

Eintritt: 5,00 €

A 2016, 82 Min., Regie: Klaus Händl, mit Lukas Turtur, Philipp Hochmair

Andreas und Stefan leben mit ihrem Kater Moses wie im Paradies. Sie bewohnen ein schönes, altes Haus in den Wiener Weinbergen und arbeiten als Disponent und Musiker im selben Orchester. Die Leidenschaft für die Musik, der große Kollegen- und Freundeskreis und ihr pelziger Gefährte prägen den Alltag der beiden Männer. Doch eines Morgens erschüttert ein unvorhergesehener Gewaltausbruch Stefans die harmonische Beziehung der beiden. Skepsis und Entfremdung bestimmen von diesem Zeitpunkt an den Beziehungsalltag und stellen eine nur schwer überwindbare Hürde dar. Während Stefan den Boden unter den Füßen verliert, ringt Andreas weiter mit seinem Misstrauen und um seine Liebe zu Stefan.

Nach seinem preisgekrönten Debütfilm März inszeniert Händl Klaus in seinem zweiten Werk die Vertreibung zweier Liebender aus dem Paradies. Mit viel Feingefühl für den blinden Fleck, den wir in uns tragen, erzählt diese musisch-poetische Ballade von der Fragilität der Liebe. Die Darsteller Philipp Hochmair und Lukas Turtur sind zwei Theatertiere, die mit ihrem naturalistischen Schauspiel zu beeindrucken wissen.

Quelle: Berlinale

teddyaward_logo_klassischinvert_300dpiBerlinale 2016, Teddy Award Gewinner, Bester Spielfilm


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Vortrag und Buchpräsentation | Selbsthass & Emanzipation

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16.11.2016 // 19 Uhr
Universität Bielefeld, UHG – Hörsaal 9

Nicht nur Heterosexuelle betonen möglichst häufig,wie tolerant und liberal die Gesellschaft doch mittlerweile geworden sei – gerade in Bezug auf Schwule, Lesben und Transmenschen.

Auch Schwulen, Lesben und Transmenschen ist die Normalität ein großes Anliegen, zu der es zu gehören scheint, dass alles, so wie es ist, in bester Ordnung
sei.

Feindseligkeit aber ist immer noch vorhanden. Am deutlichsten spürbar im Coming-out, das auch heute für die meisten ein Problem darstellt. So weit kann es
also nicht her sein mit der Normalität der Anderen. Und doch wird in zahlreichen Aufklärungsversuchen ein Schwerpunkt auf den Abbau von Vorurteilen
gelegt. Das kommt häufig einer Unterwerfungsgeste gleich – und allzu oft wird der Hass vergessen, der ja das eigentliche Problem ist. Anderssein wird abgewertet, was sich nicht zuletzt auf die Anderen und ihren Umgang mit sich selbst auswirkt.

Patsy l’Amour laLove präsentiert im Vortrag ihren Sammelband „Selbsthass & Emanzipation“ (Querverlag) und geht der Frage nach, was Emanzipation im heterosexuellen Wahnsinn bedeuten kann.

Patsy l‘Amour laLove, Polit-Tunte, Dissertation zur Schwulen­bewegung der 1970er Jahre, Organisatorin wissenschaftlicher und kultureller Veranstaltungen wie Polymorphia – die Terror­TuntenNacht, arbeitet im Archiv & Kuratorium des Schwulen Museums* und als Referent des LGBTI-Referats an der HU Berlin.

mittwochsFilm im November | Liebmann

mittwochsFilm im Nov. | Liebmann

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D 2016, 81 Min., Regie: Jules Herrmann, mit Godehard Giese, Adeline Moreau, Fabien Ara, Bettina Grahs

Mittwoch, 02.11.16, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.

Eintritt: 5,00 €

Antek Liebmann (Godehard Giese) lässt sein Leben als Lehrer in Deutschland hinter sich, um nach Nordfrank­reich zu ziehen. Er freundet sich mit seiner französis­chen Nachbarin Geneviève (Adeline Moreau) an und beginnt eine Liebesbeziehung mit dem jungen Sébasti­en (Fabien Ara). Sein Vermieter erzählt ihm je­doch, dass ein Mörder in den angrenzenden Wäldern sein Unwesen treibt und Liebmann macht auf seinen Spa­ziergängen eine gefährliche Entdeckung. Zu allem Überfluss wird er von alten Erinnerungen aus Deutsch­land eingeholt, die ihm sein neues Leben er­schweren.

Jules Herrmann hat in ihrem Langfilmdebüt ein Experim­ent gewagt: Liebmann wurde auf die Schnelle ge­dreht in einem Dorf in Nordfrankreich, auf Grundlage von 27 Seiten Handlungsskizze, in enger Zusammen­arbeit mit Titeldarsteller Godehard Giese. Eine Erb­schaft hat das ermöglicht, eine Freiheit im Dreh und im filmischen Ausdruck, der bemerkenswert ist. Denn Liebmann ist nicht zuletzt eine ästhetische Erfahrung.

LIEBMANN wurde auf der Berlinale 2016 im Rahmen der Kategorie Perspektive Deutsches Kino aufgeführt.

(Vorpremiere, Kinostart 26.01.17)

Buchvorstellung | Selbsthass & Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität

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Selbsthass & Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität.
Vortrag und Buchvorstellung
Patsy l’Amour laLove

Mittwoch, 16.11.2016, 20 h, Uni Bielefeld, Hörsaal 9

Nicht nur Heterosexuelle betonen möglichst häufig, wie tolerant und liberal die Gesellschaft doch mittlerweile geworden sei – gerade in Bezug auf Schwule, Lesben und Transmenschen. Auch Schwulen, Lesben und Transmenschen ist die Normalität ein großes Anliegen, zu der es zu gehören scheint, dass alles, so wie es ist, in bester Ordnung sei.
Die Feindseligkeit aber ist immer noch vorhanden. Am deutlichsten spürbar im Coming-out, das auch heute für die meisten ein Problem darstellt. So weit kann es also nicht her sein mit der Normalität der Anderen. Und doch wird in zahlreichen Aufklärungsversuchen ein Schwerpunkt auf den Abbau von Vorurteilen gelegt. Das kommt häufig einer Unterwerfungsgeste gleich – und allzu oft wird der Hass vergessen, der ja das eigentliche Problem ist.
Anderssein wird abgewertet, was sich nicht zuletzt auf die Anderen und ihren Umgang mit sich selbst auswirkt. Patsy l’Amour laLove präsentiert in ihrem Vortrag ihren Sammelband „Selbsthass & Emanzipation“ (Querverlag) und geht der Frage nach, was Emanzipation im heterosexuellen Wahnsinn bedeuten kann.

Patsy l’Amour laLove, Polit-Tunte, Dissertation zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre, Organisatorin von Veranstaltungen wie „Polymorphia – die TrümmerTuntenNacht“, engagiert im Schwulen Museum*. . www.patsy-love.de

mittwochsFilm im Oktober – Closet Monster

Closet Monster, Kanada 2015, 90 Min., Regie: Stephen Dunn

mit Connor Jessup, Aaron Abrams, Joanna Kelly, Aliocha Schneider, Sofia Banzhaf, Mary Walsh, Isabella Rossellini

Mittwoch, 05.10.2016, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.
Eintritt: 5,00 €

Closet Monster

Oscar ist jung, kreativ, verliebt in seine von Fantasy Filmen geprägte Kunst und hat ein riesiges Problem: er lebt im tiefsten Provinzloch Neufundlands allein mit seinem kauzigen Vater. Ab und an schminkt er seine beste Freundin Gemma und versucht, ein traumatisches Erlebnis aus seiner Kindheit zu bewältigen, das ihn stets daran erinnert, dass es in dieser Stadt gefährlich sein kann, offen schwul zu leben. Nebenbei jobbt der sensible Teenager in einem Baumarkt, wo er den rebellischen Wilder kennenlernt, der lieber Joints raucht, als Schrauben zu sortieren.

Der weltweit mit Preisen überhäufte Film “Closet Monster“ erzählt liebevoll und spannend von Oscars Coming Out, das von einem atemberaubend coolen Soundtrack begleitet wird und dabei stets die Grenze zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lässt.

Ein Gastauftritt von Isabella Rosselini überrascht hier genau so sehr wie die schaurig schönen Bilder, die uns bis zum Schluss auf ein Happy End für Oscar hoffen lassen. Außergewöhnlich und ideenreich – ein unvergessliches und visuell sattes Sehvergnügen.

Auszeichnungen (Auswahl):

  • “Bester kanadischer Film“ – 40. Toronto Int. Filmfestival – Kanada
  • “Beste Regie“ & “Bestes Drehbuch“ – Atlantic Filmfestival – Kanada
  • “Bester Film“ – International Cinephile Society Awards
  • “Bester Film“ – Melbourne Queer Filmfestival
  • “Bester Film“ – Miami Queer Filmfestival
  • “Beste Regie“, “Bester Nebendarsteller – Aaron Abrams“, “Herausragendes Nachwuchstalent – “Connor Jessup“

Pornöser Tuntendreier

Do., 14.07.19:15 Uhr, in H14
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Vortrag: Remember Me!

rememberPerspektive: Seit Mitte der 1990er gab es fast zwei Jahrzehnte Stille um AIDS. Inzwischen findet jedoch ein „Wiederentdecken“ aus verschiedenen Richtungen statt.

Wie beeinflussen die neuen Perspektiven Menschen, die in der Generation so viel Leid und Elend gesehen haben ?

Im Zuge der Aufarbeitung dieses Traumas einer sozialen Gruppe, findet nicht nur ein In-Sich-Kehren der schwulen, weißen Mittelklasse statt.

Mittwoch, 22. Juni, 19 h
SchwuR, C1-180 (AStA-Galerie)

Vortrag: Von schnauzbärtigen Damen und haarlosen Jünglingen

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Fragen nach der sozialen Ordnung von Geschlechtern und Sex haben von Beginn an Muslime beschäftigt. Der Vortrag wird einen Blick auf die Auseinandersetzung klassischer islamischer Gelehrsamkeit mit der Frage von rechtmäßigem und unrechtmäßigem Sex werfen und die Vielfalt von Geschlechterrollen und Sexualitätskonzepten in muslimischen Gesellschaften an historischen Beispielen aufzeigen. In einem zweiten Teil soll die Situation in muslimischen Gesellschaften heute beleuchtet werden: Von Hinrichtungen durch den Islamischen Staat auf Basis des Vorwurfs von Homosexualität, über Geschlechtsangleichungsoperationen im Iran bis hin zu traditionellen Gemeinschaften Angehöriger eines „dritten Geschlechts” unter den Muslimen Südasiens.

Danijel Benjamin Cubelic studierte Religionswissenschaft, Islamwissenschaft, Ethnologie und Arabisch in Heidelberg, Bochum, Damaskus, Aleppo und Kairo. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Religionswissenschaft und lehrt zur religiösen Gegenwartskultur arabischer Gesellschaften.

Mi 15.06., 19.00 h, Universität Bielefeld, UHG, Hörsaal 8

mittwochsFilm im Juni – The way he looks

The way he looks (Heute gehe ich allein nach Hause)

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Brasilien 2014 · 95 Min., Regie: Daniel Ribeiro

Mittwoch, 01.06.2016, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.
Eintritt: 5,00 €

The Way He Looks ist ein Film über das sexuelle Erwachen einen blinden Teenagers. Das Erwachsenwerden ist eine Zeit der Entdeckungen, und Sexualität wird normalerweise mit dem Sehen-Können in Verbindung gebracht. Wie aber kann ein blinder Mensch feststellen, dass er oder sie jemand anderen attraktiv findet? Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie jemand seine sexuelle Orientierung feststellt, ohne jemals einen Mann oder eine Frau gesehen zu haben. Im Film lernen wir zwei Dinge über unsere Hauptfigur Leonardo: dass er blind ist – und dass er schwul ist. Beides wird in unseren Gesellschaften tabuisiert und mit Stereotypen belegt. Filme, die Homosexualität nicht als Problem begreifen, erzählen von ihr meist als einem Gegenstand der Handlung, dessen Konfliktpotential aufgelöst werden will – so dass die Gesellschaft, die Familie und Freunde Schwulsein als etwas „Normales“ akzeptieren lernen. In The Way He Looks ist die Homosexualität von Leonardo nicht das zentrale Thema. Es geht zwar darum, dass er seine Sexualität entdeckt, aber seine „Orientierung“ spielt dabei erst mal keine Rolle. Erste Liebe, erste sexuelle Fantasien und all die neuen Erfahrungen sind allgemeine Bestandteile des Erwachsenwerdens. Ich wollte eine universelle Geschichte erzählen, mit der jeder – ob schwul oder nicht, ob blind oder nicht – etwas anfangen kann.

Daniel Ribeiro

Mit The Way He Looks hat Filmemacher Daniel Ribeiro seinen preisgekrönten Kurzfilm allein zurückgehen“) auf Spielfilmlänge ausgearbeitet. Die Uraufführung erfolgte im Berlinale Panorama 2014, wo The Way He Looks sowohl den Teddy für den besten Spielfilm erhielt wie den FIPRESCI-Preis für Filme des Panoramas. Es folgten diverse Zuschauerpreise (Athen, Guadalajara, L.A. Outfest, New York LGFF, Frameline, Seattle LGFF, Torino LGFF) und Jurypreise (Rochester ImageOut, Honululu Rainbow FF, Caroussel International du Film). The Way He Looks war die brasilianische Einreichung für den Auslands-Oscar 2015.