Archiv der Kategorie ‘Schwule Filmtage‘

 
 

mittwochsFilm im Juni – The way he looks

The way he looks (Heute gehe ich allein nach Hause)

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Brasilien 2014 · 95 Min., Regie: Daniel Ribeiro

Mittwoch, 01.06.2016, 20 h

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.
Eintritt: 5,00 €

The Way He Looks ist ein Film über das sexuelle Erwachen einen blinden Teenagers. Das Erwachsenwerden ist eine Zeit der Entdeckungen, und Sexualität wird normalerweise mit dem Sehen-Können in Verbindung gebracht. Wie aber kann ein blinder Mensch feststellen, dass er oder sie jemand anderen attraktiv findet? Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie jemand seine sexuelle Orientierung feststellt, ohne jemals einen Mann oder eine Frau gesehen zu haben. Im Film lernen wir zwei Dinge über unsere Hauptfigur Leonardo: dass er blind ist – und dass er schwul ist. Beides wird in unseren Gesellschaften tabuisiert und mit Stereotypen belegt. Filme, die Homosexualität nicht als Problem begreifen, erzählen von ihr meist als einem Gegenstand der Handlung, dessen Konfliktpotential aufgelöst werden will – so dass die Gesellschaft, die Familie und Freunde Schwulsein als etwas „Normales“ akzeptieren lernen. In The Way He Looks ist die Homosexualität von Leonardo nicht das zentrale Thema. Es geht zwar darum, dass er seine Sexualität entdeckt, aber seine „Orientierung“ spielt dabei erst mal keine Rolle. Erste Liebe, erste sexuelle Fantasien und all die neuen Erfahrungen sind allgemeine Bestandteile des Erwachsenwerdens. Ich wollte eine universelle Geschichte erzählen, mit der jeder – ob schwul oder nicht, ob blind oder nicht – etwas anfangen kann.

Daniel Ribeiro

Mit The Way He Looks hat Filmemacher Daniel Ribeiro seinen preisgekrönten Kurzfilm allein zurückgehen“) auf Spielfilmlänge ausgearbeitet. Die Uraufführung erfolgte im Berlinale Panorama 2014, wo The Way He Looks sowohl den Teddy für den besten Spielfilm erhielt wie den FIPRESCI-Preis für Filme des Panoramas. Es folgten diverse Zuschauerpreise (Athen, Guadalajara, L.A. Outfest, New York LGFF, Frameline, Seattle LGFF, Torino LGFF) und Jurypreise (Rochester ImageOut, Honululu Rainbow FF, Caroussel International du Film). The Way He Looks war die brasilianische Einreichung für den Auslands-Oscar 2015.

mittwochsFilm im April – Herr von Bohlen

Mittwoch, 06.04.2016, 20 h

Herr von Bohlen, Deutschland 2015, 90 Min., Regie: André Schäfer, mit Arnd Klawitter als Arndt von Bohlen

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.

Eintritt: 5,00 €

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Er war der funkelnde Saphir in einer grauen Dynastie – Arndt von Bohlen und Halbach, der letzte Krupp. Liebstes Hassobjekt der deutschen Nachkriegspresse. Vom Vater und dessen Handlangern zum Verzicht auf das Familienerbe gedrängt, führte er ein Märchenleben zwischen Sylt, Marrakesch, dem Salzburger Land und Palm Beach, teuren Familiensitzen, um deren Unterhalt er sich kümmern musste. Ein Bittsteller, verlacht als „reichster Frührentner Deutschlands“. Ein schwuler Paradiesvogel, der das Licht der Öffentlichkeit brauchte. Weich wie Watte statt hart wie Kruppstahl? Der letzte Krupp tanzte aus der Reihe – aber wenigstens tanzte mal einer.

André Schäfer (DEUTSCHBODEN) erzählt die Geschichte des letzten Sprosses einer belasteten Familie, der diesem Land einfach zu viel war. HERR VON BOHLEN lässt wichtige Zeitgenossen und Freunde zu Wort kommen und verwischt die Grenze zum Fiktionalen, wenn ein Reporter Arndt von Bohlen (Arnd Klawitter) in einer inszenierten Reise Ende der 1970er Jahre an die bedeutenden Orte seines Lebens begleitet.

Kritik:

„Ich mag Lidstrich an mir.“ Der Mann, der das sagt, hüllt sich gern in Pelz und edle Geschmeide, raucht in einer Tour und hat immer einen Martini in Reichweite. Er ist der letzte Spross einer deutschen Unternehmerdynastie, deren Name so hart klingt wie die hauseigene Stahl- und Rüstungsproduktion: Krupp. Doch Arndt von Bohlen und Halbach ist ein Krupp, der aus der Reihe tanzt. Der Nachkomme des Stahlkonzerns sei eher „weich wie Watte“, lästert die Boulevardpresse der Nachkriegszeit. Die Klatschblätter schimpfen ihn Taugenichts und den reichsten Frührentner Deutschlands. Vater Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Fördermitglied der SS und im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess unter anderem wegen des Einsatzes von Zwangsarbeitern verurteilt, hat sich unter einem standesgemäßen Erben sicher etwas anderes vorgestellt. Und auch der homosexuelle Arndt wurde nicht glücklich mit seiner Familiengeschichte. Dass er die einst von Hitler so protegierte Firma Krupp einmal übernehmen würde: undenkbar.

André Schäfer widmet sich in seiner Filmbiografie einer Persönlichkeit, die aus dem Nachkriegsmief herausfällt. Dieser Herr von Bohlen feiert lieber Partys in Marrakesch und Saint-Tropez, umgibt sich mit jungen Männern, Rockstars und Modeschöpfern, als dass er sein gründlich belastetes Erbe antritt. Das heißt aber auch: Arndt von Bohlen und Halbach verzichtet auf eine Erbschaft von ungefähr drei Milliarden D-Mark. Stattdessen lässt er sich auf einen krummen Handel ein, der ihn zeit seines Lebens zum Bittsteller macht. Wenn auch zu einem reichlich privilegierten.

„Herr von Bohlen“ präsentiert diese immer leicht melancholisch getönte Biografie als Mix aus Spielszenen, historischem Dokumentarmaterial und Interviews mit Menschen, die den schillernden Krupp-Nachkömmling schätzen. Enge Freunde mag man sie trotzdem nicht nennen. Der verspielte, offene Stil tut dem Film gut. Und Arnd Klawitter bei seiner Verwandlung in Herrn von Bohlen zuzusehen ist eine Pracht. Eine wehmutsvoll glitzernde.

kittyhawk in „Siegessäule“, Berlin

 

mittwochsFilm im Februar – Lange Filmnacht

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mittwochsFilm im Februar | lange Filmnacht
Die Geschichte der Schwulenbewegung im Film

Mittwoch, 03.02.2016, 19 h

  • 19 h Einleitung
  • 19.45 h Der Einstein des Sex, D 1999. Regie: Rosa von Praunheim, 100 Min.
  • 21.30 h Der Kreis CH, et. al., 2014, Regie: Stefan Haupt, 102 Min.
  • 23.15 h Nicht der Homosexuelle ist pervers, son­dern die Situation, in der er lebt, BRD 1977, Regie: Rosa von Praunheim, 67 Min.
  • 0.30 h Tunten lügen nicht, D 2001, Regie: Rosa von Praunheim, 90 Min.

Mit einem einleitenden Überblick von Christian Hellwig.

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.

Eintritt: 5,00 €

Zum Abschluss des Semesters zeichnen wir in einer langen Film­nacht die Geschichte der Schwulenbewegung im deutschsprachi­gen Raum nach: Von den Anfängen im Kaiserreich, dem Höhe­punkt in Weimarer Republik und dem Berlin der 20er und dem ab­rupten Ende 1933, über die oft vernachlässigten „bürgerlichen“ Akti­visten der 30er bis 50er Jahren bis zur Entstehung der zweiten deutschen Schwulenbewegung im Zusammenhang mit der Studen­tenbewegung 68. Wir enden mit mit den Polittunten im Berlin der 80er und 90er Jah­re.
In einem einleitenden Vortrag wird Christian Hellwig Aspekte dieser Geschichte vorstellen und die Filme historisch einordnen.

mittwochsFilm im Januar erst am 13.01., Eisenstein in Guanajuato, Filmhaus Bielefeld

Niederlande, Mexiko, Finnland, Belgien 2014, 105 Min., Regie: Peter Greenaway, mit Elmer Bäck, Luis Alberti, Rasmus Slatis, Jakob Öhrman, Maya Zapata, Lisa Owen, Stelio Savante

mittwochsFilm im Dezember | Wo willst du hin, Habibi?

Deutschland 2015, 80 Min., Regie: Tor Iben, mit Cem Alkan, Martin Walde

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Mittwoch, 02.12.2015, 20 h
Filmhaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 94
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.
Eintritt: 5,00 €

Ibrahim, genannt „Ibo“ (Cem Alkan), ist gerade fertig mit dem Studium, sucht einen Job und ist schwul. Seine türkische Familie hat keine Ahnung und Ibo eine Leidenschaft für Köttbullar. Per Zufall begegnet ihm ein attraktiver Wrestler (Martin Walde), den alle nur „Ali“ nennen, ein junger Deutscher mit kleinkriminellen Aktivitäten, und Ibo verliebt sich in ihn. Ali ist nicht schwul, doch zwischen ihnen beginnt eine ungewöhnliche und turbulente Liebesgeschichte, die beide verändert.

Der Spielfilm bezieht durch seine Handlung viele Schauplätze und viele Menschen aus der türkischen und der schwulen Community mit ein – so dass in ihm selbst schon eine Begegnung dieser scheinbar so schwierig miteinander vereinbarenden Subkulturen stattfindet.




mittwochsFilm im November | Boulevard

Boulevard, USA 2014, 88 Min., Regie: Dito Montiel, mit Robin Williams, Roberto Aguire, Bob Odenkirk, Kathy Baker, Giles Matthey, Eleonore Hendricks, J. Karen Thomas, Landon Marshall

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Mittwoch, 04.11.2015, 20 h
Filmhaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 94
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.
Eintritt: 5,00 €

Der letzte große dramatische Film mit OSCAR-Preisträger Robin Williams in der Hauptrolle.

In dem emotional aufwühlenden Film spielt Robin Williams den 60-jährigen Bankangestellten Nolan Mack, der sich in seinem beschaulichen Leben gefangen fühlt. Als er eines Nachts einen jungen Mann kennenlernt, muss er schockiert feststellen, dass seine Gefühle für ihn nicht nur rein väterlicher Natur sind…

Der preisgekrönte Regisseur Dito Montiel (Kids – In Den Straßen New Yorks, Empire State, Fighting) führt uns einmal mehr in eine Welt, in der die Protagonisten trotz aller urbanen Tristesse Hoffnung schöpfen dürfen. Großes Kino!

20. Schwule Filmtage Bielefeld 2015 – 21. bis 27. Mai

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mittwochsFilm im April | Shortbus

Shortbus, USA 2005, 105 Min., Regie: John Cameron Mitchell, mit Soo-Yin Lee – (Sofia), Paul Dawson – (James), Lindsay Beamish – (Severin), PJ DeBoy – (Jamie), Raphael Barker – (Rob), Jay Brannan – (Ceth), Peter Stickles – (Caleb)

Mittwoch, 01.04.2015, 20 h
Filmhaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 94
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.
Eintritt: 5,00 €

Eine Sexualtherapeutin mit Orgasmusproblemen, ein schwules Pärchen, das sich auf eine Dreiecksbeziehung einlässt, um seine erlahmende Beziehung zu retten, eine Domina, die eigentlich nur einen Mann, ein Haus und eine Katze will, aber noch nie eine Beziehung hatte – all sie treffen sich im „Shortbus“ um Fantasien auszuleben oder um ein bisschen Nähe zu erfahren.

shortbus

Die Beziehung des homosexuellen Pärchens James und Jamie steckt in einer Krise: James leidet an Depressionen und zieht sich zurück. Bei der Paartherapeutin Sofia erhoffen sich die beiden Männer Hilfe. Doch Sofia hat selbst Probleme: Sie ist glücklich verheiratet, hatte aber noch nie einen Orgasmus. Auf der Suche nach dem „Großen O“ begibt sie sich ins „Shortbus“, einem Club in Manhattan, in dem verschiedenste Menschen zusammenkommen, um ihre sexuellen Neigungen auszuleben.
James und Jamie finden dort das junge Model Ceth, der als dritter im Bunde wieder Schwung in die Beziehung bringen soll. Sofia trifft dort auf Severin, die eigentlich Jennifer heißt, eine Domina, die Sofia zu ihrem Orgasmus verhelfen will, jedoch selbst genügend Probleme hat: Sie hatte noch niemals eine richtige Beziehung, dabei sehnt sie sich nach einem Haus, einem Mann und einer Katze. Auch Sofias Ehemann Rob sucht nach dem Glück im Shortbus, ebenso wie ein geheimnisvoller Voyeur, der James nachstellt und ihm schließlich das Leben rettet.
Ein Stromausfall in ganz New York bringt die Figuren am Ende näher zusammen und lässt Gefühle frei werden. Auch Sofia kann endlich loslassen und ihren ersten Orgasmus genießen.

„Shortbus“ erzählt in Episoden, die durch Schwenks über eine bunte New-York-Papplandschaft verbunden werden, von den Problemen verschiedenster New Yorker, die im „Shortbus“ aufeinandertreffen.
Der Film erregte in den USA großes Aufsehen wegen seiner sehr expliziten Sexszenen, die der Regisseur John Cameron Mitchell nach eigener Aussage wie das Musical die Musik dazu benutzt, Gefühle auszudrücken. Die Laiendarsteller aus New York, mit denen der Film hauptsächlich gedreht wurde und die sich selbst spielen, sind keine Durchschnittsmenschen, sondern durch ihre individuellen Probleme geprägte Außenseiter, die im „Shortbus“ zusammentreffen. Die Figuren werden sehr sensibel dargestellt, wodurch der „visuell drastische, mit expliziten Sexszenen operierende Film auf glaubhafte Weise sexuelle Blockaden als Symptom für generelle psychische Verwirrungen [zeigt] und damit Einblicke in eine noch immer offene, aber auch verwundete Stadt [liefert]. […] Dass New York, jene liberale Insel, gezeichnet ist, bedarf indes kaum noch eines Hinweises. Daher beschränkt sich Mitchell auf kleine Andeutungen. Ein Kondom steht für Aids, ein kleiner böser Satz für ‚9/11‘: ‚Wenn Du Dich vor Ground Zero fotografieren lässt, lächelst Du dann?'“ (Oliver Rahayel, „film-dienst“, 2006).

Quelle: ARTE

 

 

mittwochsFilm im März | Sag nicht, wer du bist! (Tom at the Farm)

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Sag nicht, wer du bist! (Tom at the Farm), Kanada 2013, 105 Min., Regie: Xavier Dolan, mit Lise Roy, Pierre-Yves Cardinal und Xavier Dolan

Mittwoch, 04.03.2015, 20 h
Filmhaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 94
StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Str.
Eintritt: 5,00 €

Der junge Tom aus Montreal (XAVIER DOLAN) fährt aufs Land, um am Begräbnis seines verunglückten Lovers teilzunehmen. Als er beim einsamen Hof der Familie eintrifft, wird er von niemandem erwartet. Die Mutter Agathe weiß noch nicht einmal, dass ihr Sohn schwul war. Und der ältere Bruder Francis macht ihm blitzschnell klar, dass das so bleiben muss. Überrumpelt gibt Tom nach – und lässt sich auf ein seltsames Spiel mit dem unberechenbaren Heißsporn ein, das ihn von Tag zu Tag mehr in seinen Bann zieht …

Venedig 2013 – Preis der Filmkritik

mittwochsFilm im Februar | entfällt

Der mittwochsFilm im Februar am 04.02. muss leider entfallen. Wir setzen das Programm am 04. März fort.