mittwochsFilm im Oktober | Überleben in Neukölln

Mittwoch, 01.11.2017, 20 h
Preview!

Filmhaus Bielefeld
August-Bebel-Str. 94,

StadtBahn Rathaus, August-Schroeder-Straße

Eintritt frei!



D 2017, 82 Min., Regie: Francis Lee, mit Josh O´Connor, Alec Secareanu

Im Zentrum des Films steht Stefan Stricker, der sich Juwelia nennt und seit vielen Jahren eine Galerie in der Sanderstraße in Berlin Neukölln betreibt. Hier lädt er an jedem Wochenende Gäste ein, de­nen er schamlos aus seinem Leben erzählt und poetische Lieder singt, die er mit seinem Freund aus Hollywood Jose Promis  ge­schrieben hat. Juwelia war ihr Leben lang arm und sexy, hat stets um Anerkennung gekämpft, sie aber nur teilweise bekommen. Der Film begleitet sie nach New York, wo sie zum ersten Mal eine Aus­stellung hat und dort auch auftritt. In ihrer hessischen Heimatstadt Korbach am Grab ihrer Mutter kommen Juwelia die Tränen. Ihre Mutter hat sich mit 82 Jahren das Leben genommen und die weibli­che Seite ihres Sohnes nie akzeptiert. Juwelia ist Clown, Philosoph und Überlebenskünstler und immer noch ein Geheimtipp.
Neben Juwelia treffen wir die 89 jährige Frau Richter, die im Alter von 50 Jahren nach Neukölln zog, um hier mit einer Frau glücklich zu werden.
Wir treffen den androgynen kubanischen Sänger und Tänzer Joa­quin la Habana, der mit seinem Mann zusammenlebt. Sein 17 jähri­ger Sohn ist stolz auf ihn.
Wir treffen Mischa Badasyan aus Russland, einen Performance­künstler, der es sich zur Pflicht machte, ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen Mann Sex zu haben. Und wir begegnen der syri­schen Sängerin Enana, die nach ihrer dramatischen Flucht nach Berlin hofft, ein freieres Leben führen zu können, als Frau und als Lesbe.
Patsy l‘Amour la Love veranstaltet die „Polymorphia“ Party- und Diskussionsreihe und bezeichnet sich selbst als Polittunte. Gerade hat sie ihre Magisterarbeit „Selbsthass und Emanzipation“ veröffent­licht.
Neukölln war immer ein armer, proletarischer Bezirk mit viel Krimi­nalität. Vor zehn Jahren kamen wegen der billigen Mieten die Künstler. Seit fünf Jahren entwickelt sich Neukölln zum Hipster-Bezirk und Mekka für Spekulanten. Mein Film ist ein Zeugnis des zurzeit spannendsten Teils von Berlin – und zugleich ein Zeugnis ei­nes Bezirks, der bald seine  Künstler, die sich die Mieten nicht mehr leisten können, vertreiben wird. (Quelle: missingFilms)

 


 
 
 

Kommentar abgeben: